Textilkunde - eine kleine Einführung

Grundsätzlich muss man sich vor Augen führen, dass die Textilien des Mittelalters allesamt organisch waren. Kleidung bestand aus pflanzlichen Fasern (Leinen) oder Wolle, wurde bis zum letzten ge- und verbraucht und landete schließlich in Müllgruben. Dort angekommen mussten die textilen Überreste den Witterungen und Umweltbedingungen trotzen. Idealerweise brauchen organische Stoffe Permafrost, ständige Feuchtigkeit oder vollkommende Trockenheit sowie einen Luftabschluss um möglichst gut erhalten zu bleiben. Da diese Bedingungen sehr schwierig zu erreichen sind, nur ein ganz geringer Teil der Textilien erhalten und auch wirklich gefunden werden ist das was wir tatsächlich wissen ein kleiner Teil. Hinzu kommt, dass der Erhalt von Textilfunden sehr geld- und zeitaufwendig ist. Außerdem kann aus Geld- und Zeitmangel nicht alles publiziert werden.
Die Textilien lassen sich unterteilen in zwei Fasertypen. Tierische und Pflanzliche. Tierische Fasern sind Wolle, Seide und Haare.  Der wesentliche Vorteil dieser Fasern besteht darin, dass sie temperaturausgleichend sind. Pflanzliche Fasern gewinnt man aus Leinen, Hanf, Nesseln und Baumwolle. Sie sind besser zu waschen und weniger anfällig für Motten. Allerdings ist ihre Verarbeitung schwieriger und sie fühlen sich schneller feucht an. Pflanzenfasern sind basisch während tierische Fasern sauer sind. Da die Idealbedingungen zum Erhalt dadurch unterschiedlich sind schließt sich ein gleichzeitiger Fund fast immer aus.



Verwendung im Alltag

Nach den uns bekannten Funden kann man die Verwendung der beiden Fasertypen folgendermaßen Einteilen. Stoffe aus pflanzlichen Fasern wurden für Unterbekleidung, Stoffe aus tierischen Fasern für Ober- und Überbekleidung verwendet. Wegen der besseren Haltbarkeit bestand der Nähfaden meist aus pflanzlichen Fasern. Wie schon oben erwähnt, Stoffe waren kostbar. War ein Kleidungsstück ruiniert oder einfach nur alt wurde es nicht einfach weg geworfen, sondern weiter verwendet. Zum Beispiel als Putzlumpen.


Autor:
Alexander Jäger

Quelle:
Vortrag von Kathrin Kania, mit freundlicher Genehmigung
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Kleiderordnungen

Wie in jeder Epoche der menschlichen Geschichte gab und gibt es Kritiker an Mode, Verschwendung, Anstand und Moral. der bekannteste Kritiker war im Mittelalter natürlich die Kirche. Natürlich nahmen die geistlichen Herren sich gerne ihrer Verantwortung an und mahnten ihre weltlichen Schäfchen an Mäßigkeit und Sittsamkeit. Doch darf man diesen Schuh nicht nur der heiligen Mutter Kriche anziehen, nein auch weltliche Damen, Herren und vor allem Herrscher sahen durchaus einen Sinn darin den Konsum zu zügeln und gewisse Stände in ihre Schranken zu verweisen. Die erfolgreiche Durchsetzung der nun aufgeführten Gesetze wird in der Wissenschaft heiß diskutiert. Sicher ist man sich in dem Punkt, dass die Berufung auf Karl den Großen und die Kritik der Dichter dem Wunsch entsprang die bestehende Ordnung auftrecht zu halten. Vor allen im Heiligen Römischen Reich schien man sehr daran interessiert, den Bauern klein zu halten.  Französische Gesetzestexte die zum Teil auch höhere Stände betraf wurden in der deutschen Intepretation auf den Bauern umgemünzt. Ein paar Beispiele wollen wir nun hier aufführen:


  • 1150 zitiert der Autor der "Kaiserchronik" ein angebliches Gesetz Karl des Großen, welches dieser in Anschluss an seine Kaiserkrönung erlassen haben soll: "Da traf er sogleich Bestimmungen über die Kleidung der Bauern. Die wurden vom Papst bestätigt. Jetzt will ich euch sagen, was der Bauer nach dem Gesetz tragen durfte: nur Schwarz oder Grau, nichts anderes erlaubte der Kaiser. Keilstücke nur an den Seiten, das ist seinem Stand gemäß, und Schuhe aus Rindsleder, sonst nichts. Sieben Ellen Stoff auf Hemd und Hose, aus groben Tuch. Wenn er Stoffkeile hinten oder vorne trägt, hat er gegen seinen Stand verstoßen."

  • In Kärnten war es Brauch, dass der neue Herzog, bevor er die Huldigung der Landherren in Empfang genommen hat, in bäuerlicher Kleidung auf dem Zollfeld bei Klagenfurt erscheinen musste. Dabei sollte er Hosen aus Grautuch und einen Rock aus demselben Stoff
    mit vier Keilstücken tragen.

  • Im 36. Winterlied des Neidhart drohte der Autor den Bauern in seinen Versen, wenn der Kaiser ins Land käme, würden ihnen die Haare gestutzt. Vor allem der Bauer Gätzemann der "sein langegelocktes blondes Haar" nach adeliger Sitte trug. "Ihm und seinen Tanzgesellen soll man Haartracht und Kleidung - ganz nach alter Sitte - so vorschreiben, wie es zur Zeit König Karls üblich war."

  • Um 1300 kritiserte Seifried Helbing den Verfall der Ordnung und befief sich auf ein altes österreichisches Landrecht. "Als man dem Land sein Recht setzte, gestattete man dem Bauern nur graues hausgemachtes Loden und am Feiertag guten blauen Wollstoff, andere Farben wurden ihm und seiner Frau nicht erlaubt. Die trägt jetzt grüne, braune und rote Stoffe aus Gent."


Autor:
Alexander Jäger


Quelle:
"Höfische Kultur" von Joachim Bumke
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